TR Baden – Lägerngrat

Im unteren Stock vom S-Bahnwagen waren wir nur zu dritt, somit war es kein Problem, den empfohlenen Mindestabstand einzuhalten.  Vom Bahnhof Baden laufe ich durch die Altstadt, hinunter zur alten Reussbrücke,  danach durch die Strassenunterführung und anschliessend die Treppen hinauf, auf der Chänzeli-Tour, zum Schloss Schartenfels.

Hier fängt der Bergweg an, auf dem schroffen Jurafelsen geht es steil hinauf, auf den Grat. Da muss man schon aufpassen, wo man hintritt, auf diesem unebenen steinigen Weg kann man sich das Fussgelenk schnell mal überdehnen. Es läuft gut, es hat sehr wenig Leute. Die zwei Meter Abstand einzuhalten, ist hier oben nicht immer möglich. Bereits nach einer Stunde habe ich die ersten vier Kilometer hinter mir und bin beim Lägernsattel. Bald darauf erreiche ich das Burghorn, den höchsten Punkt auf meiner Route. Für die fünf Kilometer ab Baden habe ich eine Stunde 10 Minuten gebraucht. Hier oben mache ich eine kurze Pause und geniesse meinen Kind-Riegel, ganz alleine auf der Bank.

Auf den allerhöchsten Punkt, die Lägern 866m bei der Burgruine Alt Lägern, habe ich verzichtet, den lasse ich links liegen. Jetzt ist der Weg besser geworden, weniger Steine und mehr Waldpfad. So komme ich gut vorwärts zur Hochwacht, mit dem gleichnamigen Restaurant, dieses 120 jährige Haus ist nicht nur wegen Covid-19 geschlossen, sondern auch wegen einer grösseren Sanierung. Ab hier jogge ich am Flugradar der Skyguide vorbei, ein Stück auf dem Fahrweg. Als ich von hinten einen Lieferwagen höre, kommt mir der Trampelpfad in den Wald gerade recht, das Fahrzeug wirbelt ordentlich Staub auf. Als ich aus dem Wald laufe, bietet sich mir ein grossartiger Blick auf Regenberg von oben. Unten beim Dorfbrunnen angekommen, fülle ich meine beiden Trinkflaschen wieder auf und wandere durch das hübsche Städtchen.

Der Kiesweg nach Dielsdorf ist steil und ziemlich direkt, so bin ich schnell unten beim Bahnhof. Entlang der Geleise laufe ich bis zum Furtbach und folge diesem eine Weile. Dann zweige ich ab nach Oberhasli und jogge durch den Wald nach Katzenrüti. Beim Rastplatz Büsisee überquere ich auf der Fussgängerbrücke, die nun auf sechs Spuren ausgebaute Autobahn. Es herrscht sehr wenig Verkehr. Nun ist es nicht mehr weit, und ich bin froh, dass ich schon bald zuhause bin und meine müden Beine ausruhen kann.

Garmin: Baden_Lägern

RIP! 😇 Pilgerreise 🇫🇷🇪🇸 2020

Aufgrund der aktuellen Massnahmen des Bundsrates muss ich mein Jahresprogramm per sofort ändern.

  • Die WHO stuft die aktuelle Lage als Pandemie ein.
  • Der Bundesrat rät derzeit generell von Auslandreisen ab.
  • Die grössten Infektionsherde ausserhalb Chinas befinden sich in Italien, Iran, Südkorea, Spanien, Deutschland und Frankreich
  • Personen über 65 Jahre sollen den öffentlichen Verkehr nicht benutzen.

Somit kann ich meine geplante Pilgerreise 2020 vergessen!

VIA TOLOSANA / CAMINO ARAGONÉS

Dies bedeutet, dass ich nun mehr Zeit mit der Familie verbringen kann. Wandern kann man ja auch in der Schweiz 🇨🇭 in den tieferen Lagen. Ausserdem lässt sich so meine Form verbessern, indem ich mein Lauftraining für die geplante Trail-Woche 👣 im Juni intensiviere, falls diese dann auch stattfinden kann. 😎

Nachtrag: Per 17. März ist die gesamte Schweiz im Corona-Lockdown, sicher bis am 19. April. Nun sind die Restaurants und viele Läden zu, die Leute sollen Zuhause bleiben und nur noch für Arbeit, Einkaufen, Arzt und Sport (alleine) nach draussen. Das ÖV-Angebot wurde reduziert und man sollte es nur für nötige Fahrten, wie den Arbeitsweg, Arzt etc. benützen.
Mir macht das Wandern ohne Restaurants ohnehin wenig Spass.
😎
Also bleibe ich Zuhause. Verpflegung 🍺🍽🍷 gibt es hier auch.

Klein, aber oho!

Auf der Pilgerreise mache ich wohl wieder täglich ein Bier-Foto. Auch ein Corona trinke ich sehr gerne. Auf dem Foto sieht man eine Flasche auf der Wiese und die andern fünf im Karton. Die Variante in der Dose habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Die dritte Corona-Variante ist allerdings so klein, dass man sie nicht sieht, trotzdem kann dieser Virus 🦠 einem die Reise verhindern oder abbrechen lassen.

Heute habe ich auf meine Anfrage bei der Agence des chemins de Compostelle folgende, positive Antwort, erhalten:

Bonjour,
A notre connaissance il n’y a pour l’instant aucune restriction qui pourrait vous empêcher d’aller sur les chemins en France. Il faut être vigilant mais nous pensons que les médias en font trop et cela crée une psychose.
Je vous adresse notre documentation pratique sur le chemin d’Arles.
Bonne journée.
N’hésitez pas à nous contacter pour toute demande complémentaire.

Bien cordialement.

www.chemins-compostelle.com 

Der 21. März, mein Abreisedatum, kommt immer näher, die Situation ist nach wie vor unklar. Italien 🇮🇹 hat sich abgeschottet. Die Schweiz 🇨🇭 und Frankreich 🇫🇷 lassen im Moment das Reisen noch zu. Jetzt warte ich mal ab, was die nächste Woche noch für Überraschungen oder Restriktionen mit sich bringen wird. Dann fällt der Entscheid, das Billett für die Reise nach Le Muy zu kaufen.

TR Albisgütli – Affoltern a.A. – Schoren

Heute morgen fuhr ich mit dem 32er Bus, zum Strassenverkehrsamt und mit dem 10er Tram hinauf zur Endhaltestelle Albisgütli. Dort versorgte ich die Jacke im Trailrucksack, behielt aber die Handschuhe an und lief auf dem steilen Föhreneggweg hinauf, bis dort wo früher einmal die Annaburg stand. An den Fallätschen vorbei, weiter zum Gut Mädikon und zur Baldern. Dort erst halb rechts abzweigen und später im Waldstück steil hinunter nach Gamlikon. Anschliessend eine kurze Flacheetappe auf dem Veloweg, bevor es dann nach rechts über die Reppisch wieder einen steilen Anstieg hatte. Nach weitern drei Kilometern erreichte ich dann Affoltern am Albis, wo ich mir in der Bäckerei Nussbaumer, eine Pause mit Kaffee und leckerem Mandelgipfel gönnte. Anschliessend beim Bahnhof durch die Unterführung und an einer grossen Baustelle vorbei über die Autobahnbrücke. Im Wald beim Isenberg haben die Winterstürme auch ihre Spuren hinterlassen. Entweder musste ich über die Bäume klettern oder mich bücken und unten durch. So komme ich dann hinunter nach Bickwil und laufe weiter bis zur Reuss. Ein kurzes Stück auf der rechten Seite bis zur Brücke von Obfelden, ab dann jogge ich linksuferig erst auf dem Damm und später auf dem Wanderweg direkt am Fluss. Irgendwann ist auch dieser Weg zu Ende und ich bin wieder zurück auf dem Damm.

Beim Ried Schachen verlasse ich den Damm und laufe nach Schoren zum Restaurant Kreuz. Es ist 12:25h als ich dort ankomme. Die Zeit passt bestens, zum Mittagessen und hungrig bin ich inzwischen auch wieder.  Das Lokal ist recht gut besetzt, aber ich finde einen Platz und kann mein Bier und Menü 3 bestellen. Die Tomatencremesuppe ist sehr heiss, ich bin noch nicht ganz fertig, als schon der Menüteller mit Lenzburger Huswurscht mit Sauerkraut und Salzkartoffen gebracht wird. Anschliessend bekomme ich auch noch einen kleinen Dessert. Nach dem Kaffee muss ich noch ins Dorf Mühlau und zum Bahnhof hinauf. Die Zeit bis zur Zugsabfahrt ist etwas knapp, aber der nächste Zug wäre erst in einer Stunde, so beeile ich mich diesen noch zu erwischen. Als ich loslaufe sind die Beine noch etwas schwer und holzig, aber mit der Zeit geht es dann besser und ich bin kurz vor der Abfahrt des Zuges auf dem Perron 2 und kann so über Lenzburg zum HB und nach Hause fahren.

BIRU-WP-20200220T122919GMT0100.jpgGarmin: Albisgüetli-Schoren

Wanderung Bülach – Rorbas – Winterthur

Heute morgen war es noch etwas neblig, als ich mit dem Zug nach Bülach fuhr. Meine Wanderung startete erst nach der langen Bahnhofsunterführung, von wo aus es dann quer durch Bülach und hinauf in Richtung Nussbaumen ging. Immer noch im Nebel, aber weiter ansteigend bis zum Weiler Bütberg. Ab hier dann im Zickzack auf der Strasse hinunter nach Rorbas. Hier war es mir noch zu früh um einzukehren und später bot sich keine Gelegenheit mehr. Meine Vorstellung, der Weg führe der Töss entlang, entpuppte sich als Irrtum, der Weg führte auf der Nebenstrasse oder Feldwegen immer hoch oberhalb der Töss, die sich in den Jahrzehnten eine tiefe Schlucht gegraben hatte. Endlich beim Blindensteg, geht es eine Treppe hinunter ins Tössriet. Ab hier wandere ich nahe am Wasser, der Weg ist meist kiesbedeckt und nicht allzu schmutzig.

Nachdem ich Pfungen passiert habe sehe ich auf der linken Seite das schöne Schloss Wart, das zu Neftenbach gehört. Es wurde zwischen 1888 und 1890 von Johann Heinrich Sulzer von Wart erbaut.

BIRU-WP-20200215T112443GMT0100.jpgKurz bevor Härti erfolgt ein Seitenwechsel, bei der Holzbrücke im Wülflingen-Niederfeld wieder zurück. Ab dort dann über die schöne Holzbrücke und immer der Eulach entlang geht es sanft bergauf mit gelegenlichen Seitenwechseln.

Nachdem ich der Sportanlage Schützenwiese entlang gelaufen bin, muss ich nur noch durchs Neuwiesen Quartier und schon bin ich am Bahnhof Winterthur im Ziel. Auf der Suche nach einem Restaurant, laufe ich durch die Altstadt und finde beim Neumarkt, das Brauhaus. Dort bekomme ich schnell mein verdientes Bier und mein Mittagessen. Danach fahre ich mit dem Zug nach Hause

BIRU-WP-20200215T125226GMT0100.jpgGarmin: Bülach_Rorbas_Winterthur

Planung 2020 Via Tolosana / Camino Aragonés

Die Zeit im trüben, nebligen, nassen Herbst kann ich nun gut nutzen für die Planung der nächsten Pilgerreise im Frühling 2020. Ich werde den Pilgerweg von Trieste nach Santiago de Compostela ab Südfrankreich fortsetzen. Mein Startpunkt wird aber nicht Arles sein, sondern ich fahre mit dem Zug nach Aix-en-Provence und ab dort mit dem Bus etwas weiter nach Osten, bis nach Le Muy. Dort wandere ich zuerst die zwei Etappen, die wir im 2018 aus terminlichen Gründen ausgelassen haben.

Le Muy – Lorgues / Lorgues – Carcès

Gleich nach Abschluss der zweiten Etappe, der Ankunft in Carcès, erfolgt die etwas komplizerte Verschiebung, mit fünf verschiedenen Bussen, von Carcès nach Maussane-Les-Alpilles.

  • 4223 🚍 17:23-17:50 Carcès — Brignoles
  • 4001 🚍 18:00-18:25 Brignoles — Saint Maximin
  • 4003 🚍 18:30-19:15 SaintMaximin — Aix-en-Provence 🛌
  •   025 🚍 09:30-10:30 Aix-en-Provence — Salon-de-Provence
  •   029 🚍 10:50-12:30 Salon-de-Provence — Maussane-Les-Alpilles

Von dort aus pilgere ich dann weiter nach Arles. Auch diese letzte Etappe auf der Via Aurelia haben Markus und ich im 2018 wegen des sehr schlechten Wetters ausgelassen und sind mit dem Bus direkt nach Arles gefahren.
Ab Arles geht es dann regulär auf der Via Tolosana zum Col du Somport und ab dort auf dem Camino Aragonés nach Puente la Reina.

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Via Aurelia Le Muy – Lorgues – Carcès / Maussane-Les-Alpilles – Arles
Via Tolosana Arles – Col du Somport
Camino Aragonés Col du Somport – Puente la Reina

Nachfolgend noch Links auf Webseiten, auf denen man mehr Details über die zwei zu pilgernden Jakobswege erfahren kann:

  • Via Tolosana  Arles – Col du Somport
    820 km ➡️ 12’461 m  ↗️ 10’846 m ↘️
  • Camino Aragonés Col du Somport – Puente la Reina
    160 Km ➡️ 1’912 m ↗️ 3’174 m ↘️

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⚠️ Grafik von rechts nach links lesen  Puente La Reina   –   Col du Somport   –   Arles

Original Höhenprofil im Vollbild anzeigen auf Chemins-Compostelle.Com

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ViaTolosana_OutdoorActive_Map

Oben eine Übersicht der voraussichtlichen Etappenorte. Die Karte mit der Gesamtroute inclusive Höhenprofil findet man auch auf OutdoorActive.com.

Da die Strecke etwas weniger begangen wird, sind sowohl die Infrastruktur als auch die Unterkünfte nicht so zahlreich. Deshalb nehme ich das zusätzliche Gewicht 360g des Miam Miam Dodo in Kauf.

ZH – Bergamo Etappen 13-14: 👣 zu Fuss 👣

Lange Anreise 🚆 Zürich – Morbegno Montag 30. Sept.

  • Dep 09:10 Zürich HB – Pl. 8 (EC 315, Venezia S. Lucia)
  • Arr 12:36 Monza
  • Dep 13:32 Monza (R 2562, Tirano FS)
  • Arr 14:59 Morbegno

Am Schalter konnte ich nur bis Monza lösen. Für die restliche Strecke muss ich in Italien schauen, wie ich zum Billett komme. Der Zug war wie angesagt wirklich sehr voll, und ich deshalb sehr froh um den reservierten Sitzplatz.

Die Ankunft in Monza hat sich verzögert, aber Zeit habe ich genug. Die Weiterfahrt nach Morbegno kostet nur €7.80. Im Bahnhof Café gönne ich mir ein Stück Pizza 🍕 und eine Flasche Becks dazu. Weiter gehts im TreNord Regio 2562 Richtung Tirano FS. Auch dieser Zug ist gut besetzt, aber ich finde einen Platz.

⚠️ Überraschung 🙀 Im Zug musste ich, für das dummerweise nicht abgestempelte Billett, noch €12.10 bezahlen, weil der Kontrolleur mir nicht geglaubt hat, dass ich dies nicht gewusst habe.

Den Weg vom Bahnhof zum Hotel kenne ich bereits. Mein Zimmer ist bereit, und ich kann mich hinlegen nach der langen Sitzerei im Zug.

Übernachtung wieder, wie bereits am 19.11.2018, in der schönen Antica Osteria Rapella 1886 in Morbegno (SO) ZF € 49.-

Danach mache ich einen Spaziergang durch das Dorf und schlecke das in Italien obligatorische Gelato. In der Kirche spende ich eine elektrische Kerze 🕯 für gutes Wetter für die kommenden zwei Tage.

Etappe 13: Morbegno – Rifugio Passo San Marco 2000

Mein Schlaf bis um sieben Uhr war erholsam. Die Brötchen mit Konfi, das Joghurt und der Cappuccino waren lecker. Der Aufruf von WetterPro löst bei mir gespaltene Gefühle aus, für heute vormittag sieht es mit 12-19°C noch sonnig ☀️ und warm aus. Am Nachmittag hat es dann mehr Wolken und nachts wird eventuell der Azoren-Hurrikan „Lorenzo“ auch noch ein Wort mitreden.

Zurück im Zimmer mache ich auf Sommer, mit kurzer Jogginghose und engem T-Shirt laufe ich durchs Dorf. Beim Palazzo Malacrida beginnt der historische Wanderweg, die Via Priula.

Die Via Priula ist eine alte Salzstrasse im Bitto Tal, die im 16. Jahrhundert, im Auftrag von Alvise Priuli angelegt worden ist. Sie verbindet Bergamo über Morbegno mit Graubünden und war für die Venezianische Republik eine wichtige Handelsstrasse.

Im Tal vom Torrente Bitto steigt der Weg steil hinauf und überquert ein paar mal die gewundene Passstrasse, doch dann kurz vor Campo Erbolo läuft man ein kurzes Stück auf der Strasse, bevor der Wanderweg dann wieder unterhalb dieser nach Albaredo per San Marco (950m) führt. Dort wandere ich Treppen hinauf zur Via San Marco und komme zum Ristorante La Flora. Nach dem doppelten Espresso laufe ich zügig weiter. Der Weg verläuft erst oberhalb, später nach einer weiteren Querung, dann unterhalb der Passstrasse.

Ab hier folge ich dem historischen Weg durch den Wald und komme zur Segheria al ponte di Pedena.

Bald darauf kommen mir zwei Wanderer entgegen. Kurz danach laufe ich an der kleinen Kapelle 💒 bei Dosso Cherico vorbei. Das Haus mit der Fahne war ein Irrtum, es ist kein Restaurant sondern ein Privathaus und es wird hier nichts verkauft, nur ein kleiner Hund bellt mich an. So laufe ich halt weiter und mach weiter oben auf 1600m bei einer Hütte, auf der Bank, eine kurze Pause. Hier esse ich meinen zweiten MeKind Bar, dazu trinke ich den Rest Mineralwasser aus der ersten Flasche.

Später treffe ich auf drei Männer, die mitten auf dem Weg ihr Mittagessen verspeisen und auch eine Flasche Wein haben. Weiter hinten sehe ich dann den kleinen Bagger, mit dem sie den nun folgenden Weg wieder instand gesetzt haben. Auch der Übergang über den kleinen Bach ist neu gemacht, und man kann wieder trockenen Fusses auf die andere Seite queren. Nun bin ich bereits auf 1800m, und mir kommt ein vermummtes Paar entgegen, dass schweigend meine Kleidung mustert. Durch mein rasches Aufsteigen habe ich genügend Wärme produziert, um nicht zu frieren. Schon bald höre ich die Strasse und es dauert nicht mehr lange, bis ich auf dem höchsten Punkt beim Passo San Marco (1991m) bin. Aber lange kann ich hier nicht rumstehen, der Wind kühlt mich aus. So laufe ich den letzten Kilometer zügig hinunter zum Refugio Passo San Marco 2000 und beziehe sogleich mein ungeheiztes Zimmer. Nach der warmen Dusche kann ich um 13:30h im Restaurant noch Essen bestellen. Das Ragout mit der Käse-Polenta schmeckt mir ebensogut wie das Morretti und der Espresso. Kurz vor drei Uhr gehe ich nochmals hinaus, diesmal mit der Daunenjacke, die jetzt nötig ist. Die Berge sind schon alle eingenebelt, und ich warte auf den angesagten Regen. Es wird sich später ja herausstellen, wie präzise die heutige Wettervorhersage ist.

Hier oben ist absoluter digital Detox, mit dem Mobile „No Service“ hat es hier weder telefonisch noch sonstige Möglichkeit zu kommunizieren. So habe ich viel Zeit rumzuhängen und nix zu tun.

Mein Nachtessen, das ja bei der Halbpension mit dabei ist, findet erst um sieben Uhr statt. Ich habe mich für die Gerstensuppe entschieden und dazu etwas 🍷🍷getrunken. Zum Dessert ein feines Tiramisu sowie einen ☕️ danach. Mit dem Kachelofen im Rücken war es schön warm im Saal. Ich bin jetzt am Abend der einzige Gast, die grosse Wanderergruppe vom Mittagessen ist mit dem Bus weitergereist.

So gegen Mitternacht hin war das Gewitter dann hier, und es hat geblitzt und gedonnert, den starken Regen habe ich auch gehört.

Übernachtung im Rifugio Passo San Marco 2000  ZHP € 55.-

BIRU-WP-20191002T115250GMT0200.pngGarmin: Morbegno_Refugio-Passo-San-Marco-2000

Etappe 14: Rifugio Passo San Marco 2000 – Piazzatorre

Der morgentliche Blick aus dem Fenster überrascht mich, es scheint, der nächtliche Regen hat aufgehört. Die gespendete Kerze 🕯 hat sich also bewährt. So gehe ich gut gelaunt und ausgeruht kurz vor acht zum Frühstück.

Danach packe ich den Rucksack und mache ich mich um 8:30h auf den Weg hinunter nach Piazzatorre. Obwohl es in der Nacht gewittert hat, ist der Weg gut zu laufen. Zwar nass, aber trotzdem griffig, zum Teil sind die Steine mit Gras bedeckt und schön weich zum Abrollen. Bergab, das laufe ich am liebsten, so bin ich bereits nach 30 Minuten unten beim Ponte dell’Acqua.

Ab dort ein kurzes Stück auf der Passstrasse und dann wieder alleine auf weiter Flur auf dem Wanderweg. Den Ort Scaluggio sehe ich nur von oberhalb, etwas später wandere ich durch Mezzoldo. Nach der Kirche San Giovanni, wandere ich nun auf der Via del Ferro weiter.

Dieser Weg diente Jahrhunderte lang dem Transport des, an den Hängen vom Pizzo Tre Signori, gewonnen Eisenserzes, was einen wesentlichen Einfluss zur Entwicklung des Val Brembana beitrug.

Der Weg ist zwar markiert, aber es gibt Stellen, da bin ich froh um mein GPS und dem darauf gespeicherten Pfad. So komme ich schlussendlich zur Abzweigung, wo es hinauf nach Piazzatorre geht. Aber ich laufe weiter talwärts zur nächsten Bushaltestelle bei Piazzolo.

Beim Konsultieren der Abfahrtszeiten fällt mir auf, dass mein geplanter Bus 🚌 hier gar nicht anhält. So mache ich dann Autostopp. Es dauert nicht lange, dann hält ein Fiat. Der Fahrer Mauro spricht sogar deutsch. Das erleichtert unsere Kommunikation sehr. Er hat eine Bäckerei und hat heute morgen Brot zum Refugio gebracht. Er erkundigt sich, um welche Zeit ich das Refugio verlassen habe, als ich ihm dies sage, meint er, es sei eine sportliche Leistung bis hierher. Nun fährt er mit mir bis nach Zogno, wo ich in der Bar für €2.80 ein Busbillett kaufen kann. Damit fahre ich mit dem 11:35h Bus 🚌 nach Bergamo SAB. Dort esse ich im Best Western Hotel am Bahnhof mein Mittagessen und nehme den nächsten Zug nach Milano Centrale. Hier nun beginnt die längere Wartezeit auf meinen Zug mit reserviertem Sitzplatz nach Hause.


BIRU-WP-20191002T115303GMT0200.pngGarmin: Refugio-Passo-San-Marco-2000_Mezzoldo_Piazzatorre

Lange 🚙  🚍 🚈  🚅 Heimreise Mittwoch 2. Okt.

Bus Zogno – Bergamo

  • Dep 11:35 Zogno
  • Arr 12:10 Bergamo (terminal sab)

Zug Bergamo – Zürich

  • Dep 14:02 Bergamo (R 2632)
  • Arr 14:50 Milano Centrale
  • Dep 19:10 Milano Centrale (EC 324)
  • Arr 22:50 Zürich HB – Pl. 8