Tag 117 Matosinhos – Porto

Heute ist es nun so weit, dies ist mein allerletzter Pilgertag. Etwas zwiespältig dieses Gefühl, einerseits bin ich froh, gesund am Ziel zu sein, andererseits ist nun Schluss mit der Freiheit, nichts anderes zu tun als am Morgen aufzuwachen, aufzustehen und zu pilgern.

Als ich aus dem Fenster blicke, verhindert Nebel die Sicht aufs Meer. Jetzt erst das 🇵🇹Frühstück geniessen. Eine Schale mit frischen Früchten: Ananas, Orangen, Melonen und Kiwi wird aufgetischt. Eine Kanne Kaffee und ein Krug Milch stehen bereit. Ich sehe zu, wie der Wirt in der Küche das frische Brot aus dem grossen Backofen nimmt. Feinen Kuchen gibt es auch noch dazu.

Wenn die Angaben stimmen, dann sollte ich es bis zum Mittagessen schaffen, bei der Ponte Dom Luis I zu sein, dort sollte Laura auf mich warten. Es sind fast vier Monate vergangen, seit ich aufgebrochen bin. Ich verabschiede mich von den freundlichen Leuten und marschiere um 8:40h bei 18°C auf dem Holzsteg Richtung Porto.

Die Sonne ☀️ versucht ihr bestes, aber es reicht noch nicht, um den Nebel zu vertreiben. Nun muss ich hinauf auf die grosse Brücke, über den Hafen, beim Rio Leça. Ab jetzt herrscht mehr Betrieb, ich bin in der Stadt. Es geht dem Atlantik entlang bis zur Mündung des Duoro, wo der Leuchtturm steht.

Anschliessend brauche ich keine Karte oder App mehr, immer dem Fluss entlang, bis zur zweiten Brücke, dort haben wir abgemacht.

Hier hat es bedeutend mehr Leute, es herrscht fast schon ein Gedränge. Die Brücke ist erreicht, und Laura ist da. Gemeinsam laufen wir die letzten Meter hinauf zur Kathedrale, um den finalen STEMPEL zu holen.

Damit ist mein Pilgerweg, nach 117 Tagen und 3’000 Kilometer wandern, erfolgreich beendet.

Jetzt noch vier Tage Abschluss Ferien. Am Sonntag Abend 19:30h erfolgt der Heimflug mit SWISS LX 2065 nach Zürich.

Hier noch ein paar erste Eindrücke von Porto, das wir uns die nächsten Tage näher anschauen können.

Übernachtung heute im The Artist Porto Hotel & Bistro im Doppelzimmer ZoF €120.-

Garmin: Matosinhos – Porto

Tag 116 Póvoa de Varzim – Matosinhos

Es ist schön blau und sonnig ☀️draussen, als ich um 8:25h bei 17°C das Hotel nach dem Frühstück verlasse. Gemütlich schlendere ich durch die Stadt, besonders weit ist es nicht bis zum zweitletzten Etappenort. Erst kann ich Strassenkunst bewundern, dann durch eine schöne Baumallee wandern.

Mein Weg führt an der Strandpromende entlang, nach Vila de Condo, schön der Küste nach und es wird noch besser.

In Vila do Condo trinke ich einen Kaffee ☕️ und einen Fruchtsaft, dann frage ich den Kellner nach einem Stempel. Hier haben sie keinen, aber er erklärt mir, wo ich den bekomme. Jetzt will er wissen, ob ich nach Norden oder Süden wandere. Er war im 2015 schon in Fatima und Santiago mit dem Fahrrad 🚴🏾. Dann zeigt er mir voller Stolz seinen Pilgerausweis und die Landkarte, darauf sind alle seine Stationen markiert. Ich ziehe weiter, aber die angegebene Herberge, die den Stempel machen würde, ist ab 10h geschlossen.

Kurz nach der Brücke über den Rio Ave verlasse ich die Hauptstrasse und es geht auf einer Quartierstrasse zum Strand. Ab jetzt ist es genial einfach, immer dem Strand 🌊 entlang, auf dem Holzsteg und manchmal mit Meersicht.

Als ich bei der Praia de Mindelo ankomme, ist 12:30h schon vorbei, so gehe ich ins Restaurant und bestelle mein Mittagessen. Goldbrasse 🐠 mit Härdöpfel und eine kleine Flasche Rotwein 🍷 dazu. Den Salat 🥗 habe ich zwar  nicht bestellt, aber wenn er schon da ist, dann wird er auch gegessen. Zum Dessert fürs Schläckmüli ein Schoggimousse und einen kleinen ☕️ Kaffee hinterher.

Weiter geht’s immer auf dem Holzweg, Strände 🌊 am Laufmeter, wenn es dann einmal Leute hat, dann sind die eher selten im Wasser.

Ein letzter Blick zurück, für die einen ist der Weg bald zu Ende und für die Entgegenkommenden erst am Anfang der Strecke. In diesen Körben werden also die leckeren 🦀 🦂gefangen.

Übernachtung heute im Casa Velha ZoF €40.-

Garmin: Póvoa de Varzim – Matosinhos

Tag 115 Esposende – Póvoa de Varzim

Irgendjemand mag mich, denn es ist strahlend blau, als ich um 8h zum Frühstück gehe. Fertig gepackt und ich verlasse um 8:55h bei 17°C das Hotel und bin schon auf dem Camino. Auf der Brücke über den Rio Cávado laufe ich nach Fão hinüber. Jetzt weiche ich von der Route ab, weil ich zum Strand will. Es läuft sich gut auf dem schönen Holzsteg, als ich dann nach zwei Kilometer vorne am Strand bin, hat der Wind soviel Nebel gebracht, dass es mir fast verleidet ist. Im Sand kontrolliere ich das Profil der Salomon, die gewanderten 522 Km haben sichtbare Verbrauchsspuren hinterlassen. Nach zwei Kilometer Sand brauche ich einen Kaffee, den gibt es an der Strandbar. Als ich das Münz hervorsuche, stoppe ich versehentlich mit dem Handgelenk die Garmin.

Bei der Capel de Nossa Senhora de Fátima komme ich wieder auf die originale Strecke vom Camino. Erst kürzlich am 13. Mai war das 100 jährige Jubiläum von „Wunder von Fatima“. In der roten Box wäre eigentlich ein Pilger-Stempel, aber der ist nicht mehr zu gebrauchen.

Die öde Hauptstrasse wird bald verlassen, weiter geht es auf den berühmten Pflastersteinen, die die Füsse ermüden und das über lange Kilometer. Links und rechts Gemüsefelder, in denen Arbeiter fleissig sind. Gelegentlich brausen Autos vorbei, die sich nicht so sehr um Pilger kümmern. Auf einmal sehe ich einen Typen auf einem Stein sitzen. Er macht 👣 Fusspflege, als ich näherkomme, schaut er auf und fragt mich, ob ich Schweizer sei. Auf mein Erstaunen meint er, er habe gestern den Abend mit Brent verbracht und der habe ihm mein Foto gezeigt, mit dem Hinweis, dass ich bald 3’000 Km gepilgert sei. Dann laufe ich weiter, es geht nicht mehr lange auf der Strasse, vor dem Dorf Aguçadoura verläuft der Camino auf einem kilometerlangen Holzsteg, teilweise mit Meersicht.

Im Restaurant mache ich Mittagspause, ein grosser Kaffee und ein grosses Stück Kuchen. Als ich das bekommen habe, meint  der Kellner, dass er Bern kenne. Darauf frage ich nach der Speisekarte, aber etwas Warmes gibt es nicht, so bestelle ich ein Sandwich Americano und ein grosses Bier 🍺 dazu.

Weit vorne liegt Póvoa de Varzim, man merkt, dass die Städte grösser werden und mehr Touristen hier sind, es ist auch viel mehr los hier.

Übernachtung heute im Hotel Luso Brasileiro ZF €42.65

Auf der Jagt nach dem Nachtessen wandere ich planlos in der Stadt umher. Dabei komme ich auch an einer alten Befestigungs Anlage vorbei, mit der Bezeichnung: Fortaleza da Nossa Senhora da Conceição. Als ich mit dem Essen fertig bin komme ich noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang.

Garmin: Esposende – Fão (Praia de Ofir)

Garmin: Fão (Praia de Ofir) – Póvoa de Varzim

Tag 114 Viana do Castelo – Esposende

Als ich am Morgen um 8h in den Salon komme, ist der Tisch schon gedeckt. Jetzt freue ich mich auf das Frühstück. Die aufgeschnittenen Ananas (nicht im Bild) kamen später noch dazu. Beim Hinausgehen ist mir noch diese geschnitzte Schranktüre aufgefallen.

Es ist leicht bewölkt🌤, als ich um 8:40h bei 18°C das Haus verlasse und durch die schöne Altstadt zur Brücke über den Rio Lima wandere.

Auf der langen Brücke ein Blick zurück zur Stadt und den Bootshafen. Es ist schon erstaunlich, wie weitsichtig die Leute früher Alleen gepflanzt haben, im Wissen, was der Schatten wert ist. Das Bild sollte das Castelo zeigen, aber es ist etwas klein geraten.

Anstatt getreu dem Camino nachzulaufen, weiche ich vom Landesinnern an den Strand ab und werde dort wieder barfuss laufen. Nach circa sechs Kilometer Strand 🌊, verlasse ich diesen bei Castelo do Neiva und nehme mein erstes Bier🍺 in einer kleinen Bar im Stehen. Aber nicht weit davon sehe ich eine Gartenwirtschaft, das lasse ich mir nicht entgehen und bestelle meinen Standard, diesmal im gemütlichen Sitzen. Mit dem deutschen Ehepaar am Nachbartisch unterhalte ich mich über den Pilgerweg, die zwei wohnen dort in der Nähe und sehen öfters Pilger, die für den Stempel zur Kirche laufen.

Ab jetzt wandere ich wieder auf dem Weg, es geht nicht lange, dann darf ich über eine Brücke, von dort führt ein schöner Waldpfad über einen kleinen Hügel. Ab dann wird es wärmer und das Laufen auf den sohlenfressenden Pflastersteinen ist ermüdend, da man nie einen festen Stand hat.

In Marinhas besuche ich ein Strandrestaurant und esse etwas Kleines, dann kommt wieder Sandstrand bis nach Eposende, aber diesmal behalte ich die Schuhe an. Ganz am Schluss kommt so ein schöner Steg im Wasser, dann bin ich fast beim Hotel.

Übernachtung heute im Hotel Mira Rio ZF €48.-
Bei der Suche nach dem Nachtessen gab es noch etwas Abendstimmung, das Meer im Westen hat auch seine Vorteile.

Garmin: Viana do Castelo – Esposende

Tag 113 Vila Praia de Âncora – Viana do Castelo

Es ist bewölkt ☁️, als ich um 7:30h bei 18°C die Pousada ohne Frühstück verlasse und mich anderswo verpflegen muss. Leider habe ich im Dorf nur Kaffee und Fruchtsaft bekommen, der  Nebel hält sich hartnäckig.


Danach starte ich meine grosse Strandtour, mit fünf langen Stränden. Ich laufe barfuss am Meer 🌊 entlang, aber zwischendurch wird es steinig, und ich ziehe die Schuhe wieder an.

  • Praia de Vila Praia de Âncora
  • Praia do Forte do Cão
  • Praia da Arga
  • Praia de Paçô
  • Praia de Carreço

Endlich bei der Praia de Carreço ist es spät genug, dass jemand seinen Stand geöffnet hat und der erste Kaffee ☕️ des Tages wird genüsslich getrunken. Zum Orangensaft esse ich ein Sandwich mit Käse. Als ich nach dem Stempel frage, werde ich ins naheliegende Restaurant verwiesen, da kommt gleichzeitig noch ein Pilgerpaar von Süden, die wollen auch einen Stempel. Er spricht mich auf Spanisch an und fragt mich dann, ob ich französisch kann. Es sind 🇫🇷 aus der Nähe der belgischen Grenze, die mit dem Zelt ⛺️ von der Algarve herkommen. Es ist nicht der erste Pilgerweg, den die beiden machen. Wir trinken noch einen Kaffee zusammen und marschieren weiter. Zuerst fragte ich mich, wo geht es nun durch, dann sah ich die nächste Markierung und wusste, es geht auf dem schmalen Pfad durch die Büsche.

Später hat es wieder diesen schönen gepflegten Holzsteg.

Als ich in die Nähe von Viana do Castelo komme, sehe ich von weitem den Grund, das Castelo thront auf dem Hügel. Kunstwerke werden hier gross geschrieben. Morgen benütze ich diese Brücke, um die schöne Stadt zu verlassen. Der Kleine 🐶 schaut so süss aus, fast hätte ich ihn mitgenommen.

Übernachtung heute im Vianesa – Guest House Luxuszimmer ZF €60.-

Garmin: Vila Praia de Âncora – Viana do Castelo

Tag 112 A Guarda – Caminha – Vila Praia de Âncora

Es ist neblig bewölkt ☁️, als ich nach dem Frühstück um 8:45h bei 16°C das Hostel verlasse und den längeren Uferweg entlang wandere. Heute verlasse ich nun in A Guarda 🇪🇸 mit der ⛴ Fähre und fahre nach Caminha 🇵🇹. Zeit habe ich genügend bis 12:30h, die zwei ersten Fähren ⛴ fallen ja wegen der Ebbe aus.

Das ist eimal etwas ganz anderes als sonst, auf einem Holzsteg so nahe an der Küste zu laufen. Weit draussen im Nebel sieht man den „Farol da Insua“.

Als ich beim Hafen ankomme, fährt ein Polizeiauto daher, den Polizisten frage ich, wo die nächste Bar sei und begebe mich dorthin. Es gibt ☕️ und feinen frischen 🍊-Saft. Dazu erhalte ich ein kleines Probierstück von einem feinen Kuchen, das mich prompt zu mehr verführt.

Nachdem ich meine Wartezeit abgesessen habe, spaziere ich langsam zum Terminal zurück und warte dort weiter. In der Zwischenzeit ist der Schalter geöffnet worden, und ich kaufe mir für unglaubliche €1.- meine Überfahrt nach Portugal. Die Fähre ⛴ kommt und es laufen eine beträchtliche Menge Pilger von Bord, anschliessend wird verladen, Autos 🚗, Motorrad 🏍, Fahrräder 🚴🏾 mit Anhänger, Fussgänger und Pilger.

Die Überfahrt dauert nur eine Viertelstunde. Das erste, was mir in Caminha auffällt, sind die neuen Pfeile und die andre Sprache. Dann laufe ich durch das Dorf und komme zu einem riesigen Platz. Ich suche mir eines der Restaurants aus und setze mich draussen hin und bestelle mir ein Bier 🍺 und 🍝Pasta. Beim Warten wird mir mit dem Wind zu kalt und ich gehe zum Essen hinein.

Dann wandere ich soweit es geht der Küste entlang. Als der Strand 🌊 Praia de Caminha kommt, bin ich schnell barfuss, ich kann dort zwei Kilometer weit laufen bis und mit der Praia de Moledo. Dort wasche ich erst die Füsse und verlasse dann den Strand und laufe gemütlich auf dem schön gemachten Strandweg weiter zum Tagesziel Vila Praia de Âncora.

Hier noch ein Ausblick auf morgen, wenn ich auf der Praia de Vila Praia de Âncora laufen werde,

Übernachtung heute in der Pousada Farol do Portinho ZoF €35.-

Garmin: A Guarda – Ferry Terminal

Garmin: Caminha – Moledo

Garmin: Moledo – Vila Praia de Âncora

Tag 111 Baiona – Mougás – A Guarda

Für heute sind Gewitter angesagt, im Hotel gibt es das Frühstück erst ab 8h, so verzichte ich darauf. Das Wetter ist schön ☀️, wolkenlos als ich um 7:20h bei 15°C durch die schöne Altstadt bergauf wandere. Die Sonne ☀️ ist auch spät dran, und steht gerade auf, als ich zum Meer hinuntersehen kann.

Unterwegs treffe ich auf Brent, er ist unschlüssig, welche Abzweigung er nehmen soll, da die Pfeile in die Gegenrichtung zu interpretieren nicht immer ganz einfach ist. Da hilft uns das GPS mit der eingezeichneten Route. Wir wandern gemeinsam weiter und nehmen im Café vom Camping Mougas ⛺️ unser Frühstück ein.

Da ich mein Sandwich langsamer esse und noch nicht fertig bin, geht er schon los. Nach kurzer Zeit habe ich ihn eingeholt, er wusste nicht, ob der Weg eine Sackgasse ist und kam retour. Weiter geht’s nun abwechselnd, entweder der Strasse entlang oder auf einem Feldweg, so wandern wir südwärts.

Als wir in der Bucht Area Grande von A Guarda ankommen, gehe ich als erstes ein Zimmer buchen. Brent wartet im Restaurant bei einem 🍺 auf mich. So beeile ich mich und deponiere nur den Rucksack im Zimmer und laufe hinüber. Auch für mich hat es noch Bier 🍺 und ich will auch noch meinen Hunger mit einem Mittagessen stillen. Bald darauf kommt der erste Schauer, aber der dauert nur kurz. Brent verzichtet aufs Essen, er nimmt noch ein Bier und geht, denn er will unbedingt noch mit der Fähre ⛴ nach Portugal 🇵🇹 hinüber. Die fährt nämlich bei Ebbe nicht.

Brent war so nett und hat die Abfahrtstafel fotografiert. So wie das aussieht, muss ich mich morgen nicht beeilen.

Übernachtung heute im Hostal del Mar ZoF €25.-

Garmin: Baiona – A Guarda