Gletscherwanderung Turtmanntal – Bishorn 4153m

Unser drei-Tages-Programm:

  • Tag 1 Gruben 1819m – Turtmannhütte 2523m
  • Tag 2 Bruneggletscher – Tracuithütte 3259m
  • Tag 3 Bishorn 4153m – Zinal 1674m

Der Aufstieg über den Brunegg-Gletscher zur Tracuithütte wird uns besonders mit der Wegfindung durch das Spaltenlabyrinth herausfordern. Von dort aus ist der Weg auf den Bishorn-Gipfel zwar nicht mehr lang, doch die Höhe wird ihren Tribut verlangen. Der anschliessende Abstieg führt uns mit 2500 Bremsmetern ins Val d’Anniviers nach Zinal.

Nachdem ich die mir zugestellte, umfangreiche Packliste abgearbeitet habe, ist der 32L Rucksack 🎒 nun ordentlich gefüllt. Die Waage zeigt 10.8kg 😳 an, dies erst noch mit leerer Thermosflasche (5dl). Dazu kommen dann am Bahnhof Turtmann noch der Pickel und der Klettergurt.

Freitag, 13. September

Anreise
ab 07:02 Zürich HB – Gleis 31 (IC 8 806, Richtung: Brig)
an 09:02 Visp – Gleis 7
ab 09:10 Visp – Gleis 5 (R 6112, Richtung: St-Gingolph (Suisse))
an 09:20 Turtmann – Gleis 1

Treffpunkt: 09:20, Bahnhof Turtmann
Bergführer: Mario Rubin
TeilnehmerInnen: Sandra, Anja, Sabine, Paul Gründler

ab 09:55 Turtmann 🚡Luftseilbahn Turtmann – Unterems – Oberems (LTUO)
an 10:25 Oberems – Gruben (Turtmanntal) Bus 🚌

Gruben 1818m – Meiden Mittelstaffel 2234m – Turtmannsee 2174m – Turtmannhütte 2519m

Mario war im gleichen Zug und überreicht uns am Bahnhof Turtmann den Pickel und den Klettergurt. Bis auf Anja sind alle anwesend. Sie hat wegen Barriereproblemen den Anschluss in Bern verpasst und kommt eine Stunde später. Wir laufen zur Luftseilbahn 🚡 und fahren mit dem Bus 🚌 direkt nach Gruben. In der Gartenwirtschaft vom Hotel Schwarzhorn auf 1825m warten wir auf Anja. Mario erklärt uns mit vier 25‘000er Karten die geplante Routen. Als der nächste Bus ankommt, steigt Anja aus, und wir sind vollständig und können los. Der erste Aufstieg zum Panoramaweg ist wegen Holzarbeiten gesperrt, so gehen wir im Tal weiter bis zur nächsten Gelegenheit und steigen die 400m hinauf.

Bald einmal sehen wir den Turtmannsee und im Gegenhang die Hütte. Jetzt beginnt der Abstieg zum See. Weiter geht es, erst über den Damm, dann dem See entlang und schliesslich beginnt der Aufstieg zur Turtmannhütte.

Wieder sind etwa 400m zu bewältigen und endlich kommt die Hütte in Sicht. Schnell die Schuhe, Pickel und Stöcke aufhängen und das restliche Material im Zimmer deponiert. Mario hat ein eigenes Zimmer, wir sind zu viert im Achter-Zimmer. Zwei schlafen oben und zwei unten. Nach der Katzenwäsche kann ich mein verdientes Bier 🍺 trinken und Sachen an der Sonne trocknen lassen. Bald gibt es Suppe, Salat und Reis mit Huhn, der Fruchtsalat (Büchse) ist nicht so beliebt.

9/16/19Garmin: Gruben_Turtmannhütte

Samstag, 14. September

Turtmannhütte 2519m – Gäste 2614m – Brunegggletscher – Turtmanngletscher – Cabane de Tracuit 3256m

Tagwache um 6:45h, Sandra und Sabine sind bereits angezogen als mein Wecker klingelt. Mario klopft und erkundigt sich, ob alle wach sind. Anja und ich machen das Bett und steigen hinab und machen uns bereit. Der Frühstücksraum ist schon gut gefüllt. Danach laufen wir als eine der letzten Gruppen los, erst dem Wanderweg entlang, dann steil hinauf bis zum gut gesicherten Gässi.

Von dort wieder hinunter, dann überqueren wir die kleine verbliebene Gletscherzunge des Brunegg-Gletschers, wir sind angeseilt und mit Steigeisen ausgerüstet. Auf der Gegenseite, wieder auf dem Fels, versorgen wir die Utensilien und wandern zur Kletterpassage.

Mario steigt vor und macht oben das Seil fest. Am Seil gesichert steigen wir die Eisenleiter praktisch senkrecht hinauf. Auf der Seite wird die Sicherung eingehängt. Etwas vor dem Gipfel der Adlerflüe 2913m werden wir wieder freigelassen und machen auf 2913m eine Pause, bevor wir wieder 200m hinunter zum Turtmann-Gletscher wandern.

Dort montieren wir die Steigeisen wieder und laufen angeseilt hintereinander wie Gänse Mario nach. Er testet uns mit seiner eigenen Aufstiegs-Variante. Dafür klettert er als Beispiel voran und verwendet als Sicherung für uns eine Eisschraube. Uns bleibt nichts anderes übrig, als ihm nachzusteigen; mit Hilfe des Pickels kraxeln wir auf den Frontzacken steil hinauf. Die nächste Variante geht seitwärts über mehrere Spalten, auch hier sind wir gesichert. Der Letzte muss dann die Eisschraube wieder nach vorne bringen, damit diese teuren Hilfsmittel für die nächste Sicherung zur Verfügung stehen.

Auf einem flacheren Stück geht es zum rechten Rand hin und zurück auf den Fels, dies um den vielen Spalten auszuweichen. Auf 2990m machen wir noch eine kleine Pause, bevor es ohne Seil und Steigeisen weiter geht. Nochmals ist es recht steil, und auch hier sind wieder Stellen, die mit Stahlbügeln als Steighilfe ausgestattet sind. Danach geht es zurück zum schrumpfenden Gletscher, wieder am Seil und auf Steigeisen überqueren wir die Fläche und steigen links zur Hütte hinauf. Ab der Moräne können wir die technischen Hilfsmittel wieder versorgen und laufen zur Tracuit-Hütte.

Im Vorraum versorgen wir unsere Alpinausrüstung. Die Schuhe und Socken lassen wir an der Sonne trocknen. Danach folgt der Zimmer-Bezug, doch diesmal ist die Hütte voll. Ich darf im Zimmer 6 an der Wand schlafen, und die drei Frauen sind links neben mir platziert. Die Hütte ist mit 120 Personen ausgebucht, und die Zimmer sind alle voll. Beim Nachtessen um 18:30h ist der Speisesaal gerappelt voll. Es gibt Suppe und anschliessend Spaghetti Bolognese und zum Dessert Apfelmus.

Das Frühstück fürs Bishorn ist um 5:30h angeschrieben, somit wissen wir, dass diese Nacht etwas kürzer wird.

9/16/19Garmin: Turtmannhütte_Tracuithütte

Sonntag, 15. September

Cabane de Tracuit 3256m – Bishorn 4153m – Cabane de Tracuit 3256m – Zinal 1675m

Der Schlaf war schon etwas unruhig, denn einige wenige, die auf das Weisshorn 4506m wollten, mussten schon um zwei Uhr zum Frühstück. Doch die Unruhe, durch die vielen Toilettengänge blieb. Um fünf Uhr klingelte ein Wecker, und so standen wir auf und schauten, dass wir im Gedränge um die wenigen Toiletten nicht zuhinterst anstehen mussten. Der  Speisesaal wurde pünktlich um 5:30h geöffnet und Madame erklärte uns, dass sie Probleme mit dem Gas gehabt habe und deshalb der Kaffee nicht so heiss sei. Nach dem Frühstück deponierten wir die Sachen, die nicht mit aufs Bishorn mussten, in den dafür vorgesehenen Plastikbehältern und nahmen die Ausrüstung mit nach draussen. Mit den Steigeisen und den Stöcken in der Hand wanderten wir um 6:15h im Lichte der Stirnlampe hinter Mario nach, über die Moräne zum Beginn des Turtmanngletschers. Dort befestigten wir die Steigeisen und wanderten im Lichte des Vollmondes über den flachen Teil des Gletschers, dann durchquerten wir die Spaltenzone und stiegen hinauf. Oft konnten wir normal laufen, doch an einigen Stellen mussten wir seitwärts aufsteigen, was etwas mehr Kraft kostete. Dazu kam dann doch noch, dass durch den geringeren Druck pro Atemzug auch weniger Sauerstoff eingeatmet wird und somit die Atemfrequenz ansteigt, und dies die Leistung vermindert. In der Ferne sahen wir das Licht der Stirnlampen derjenigen, die übers Bishorn zum Weisshorn wanderten. Auf dem Weg zum Gipfel kamen uns die schnelleren Seilschaften entgegen, während andere noch hinter uns lagen.

 


Als wir um 9:34h den Gipfel erreicht hatten, machte Mario das Gruppenfoto mit den glücklichen Vier.

Oberems / Valais / Switzerland - 9/15/19

Beim Abstieg durfte ich, der vorher als Letzter am Seil war, bis hinunter in der Fläche, wo die Spalten waren, die Führung übernehmen. Dort übernahm Mario wieder den Lead und wählte eine etwas andere Variante der Route für den Rückweg zur Hütte. Dort wurde das Material wieder in die Rucksäcke verpackt, und wir konnten uns in der einen Stunde Pause erholen. Um 12:30h verabschiedeten wir uns von Sabine, die noch eine Nacht in der Hütte blieb, und den Abstieg am Montag alleine machen wollte. Die 1600m hinunter nach Zinal zogen sich in die Länge und beanspruchten die Beinmuskeln. Doch um 15:00h Uhr erreichten wir dann Zinal und konnten vor der Abfahrt mit dem Postauto im Restaurant Les Bouquetins noch ein Bier trinken.

Rückreise: Zinal ab 15:44

Das Postauto ist bereits voll, so stehen wir bis Vissoie poste, dort verlassen einige Passagiere den Bus, und wir können bis Sierre auch sitzen.  Im Zug nach Visp hat es für uns Sitzplätze, der Anschlusszug nach Bern ist dann schon eher voll, doch im Speisewagen finden wir noch einen grösseren Tisch für uns vier. Als erster verlässt uns in Spiez Mario, Anja wollte eigentlich in Thun umsteigen, doch ihr Anschlusszug ist gemäss Kondukteur bereits weg, So fährt sie mit uns nach Bern. Der Zug hat die Verspätung nicht aufgeholt und so wird der Umstieg in Bern mit einen Sprint erledigt. Kurz vor der Abfahrt steigen Sandra und ich in die volle 1. Klasse ein und laufen zu der 2. Klasse. Schon beim ersten Wagen kommen uns Leute entgegen, und es scheint aussichtslos, noch einen Sitzplatz zu finden. Doch Sandra erblickt im oberen Stock einen Soldaten, der sein umfangreiches Gepäck auf der Bank ausgebreitet hat und ermuntert ihn, den Sitzplatz freizumachen. Etwas mürrisch kommt er der Aufforderung nach, und wir können bis Zürich sitzen. Dort verabschiede ich mich von Sandra, die auf ihren Anschlusszug eilt, und ich fahre mit dem ÖV heim.

9/16/19Garmin: Tracuithütte_Bishorn_Zinal

Diese dreitägige Gletscherwanderung habe ich über WeitWandern gebucht. Sie wurde von Berg-Touren Frutigland durchgeführt.

Fazit: Das Wetter war traumhaft, die Gruppengrösse und Besetzung waren ideal. Mario, der sehr symathische Bergführer, hat uns mehr geboten, als auf dem Programm von WeitWandern geschrieben stand.

2 Gedanken zu “Gletscherwanderung Turtmanntal – Bishorn 4153m

  1. Markus Oktober 11, 2019 / 12:25 pm

    Super Tour, habe diese im 1975 auch gemacht, den 2.Tag noch uber den Diablons,
    1971 war ich beim Aufstieg im Nebel an der Ausrüstung gescheitert, keine Steigeisen!

    Gefällt 1 Person

    • elCaminohike Oktober 22, 2019 / 8:53 pm

      Hallo Markus, ja die Tour war wirklich super. Der Bergführer und die kleine Gruppe waren toll und auch das Wetter hat mitgespielt. Die 2500m Abstieg nach dem Austieg zum Bishorn, hinunter nach Zinal waren dann schon eher etwas an der oberen Grenze.
      Normalerweise wenn ich joggen gehe nur mit einem drittel an Gewicht und erst noch mit den viel leichteren Trailschuhen, so sind wir dann auch bedeutent schneller. Aber damit wären wir wohl nur bis zum Gässi oder aufs Barrhorn gekommen.

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